[Ga: een map omhoog, voorpagina]





 

TV-Serienmacher Ralf Husmann "Viele Chefs ticken so wie Stromberg"

"Stromberg"-Darsteller Herbst: Deutschlands berühmtestes Büro-Ekel Zur Großansicht
obs/ TELE2

"Stromberg"-Darsteller Herbst: Deutschlands berühmtestes Büro-Ekel

Die TV-Figur "Stromberg" bündelt alle miesen Eigenschaften von Vorgesetzten, unter denen Millionen deutsche Angestellte leiden. Ralf Husmann ist der Haupt-Autor der Serie. Im Interview spricht er über die Psyche des Büro-Scheusals, über seine Erfahrungen mit Chefs - und eigene Führungsfehler.

Dass es eine Figur gibt, auf die Millionen deutsche Angestellte ihren Alltagsfrust projizieren können, ist Ralf Husmann zu verdanken. Er hat sich, sehr ähnlich wie in der britischen Comedy-Serie "The Office", eine ausgesprochen verhaltensauffällige TV-Type ausgedacht: Bernd Stromberg, in der gleichnamigen Serie Bereichsleiter bei der Capitol-Versicherung.

Stromberg, dargestellt von Christoph Maria Herbst, ist ein Chef-Ekel der Extraklasse. Er hat keine Empathie, weiß fast nichts über seine Angestellten, schon gar nicht über ihre Probleme und Leiden. Er hasst den Betriebsrat, er kann nicht loben, seine fachlichen und sozialen Kompetenzen gehen gegen null. Er verheddert sich in absurden Sprachbildern und demotiviert mit seinen Motivationssprüchen. Prädikat: übelster Boss der Welt.

Fünf Staffeln der Serie wurden inzwischen ausgestrahlt, von Millionen Menschen gesehen. Doch wie hat Husmann diese Figur entworfen? Wurde er einst selbst Opfer eines fiesen Chefs? Und wie ist er selbst als Vorgesetzter - ein Schlitzohr, ein geschmeidiger Mitarbeiterversteher oder ein Manager-Monster?

Husmann spricht gern über diese Dinge, nur bitte "nicht vor zehn Uhr morgens". Vorher könne er "keinen zusammenhängenden Satz artikulieren". Als er gegen elf Uhr anruft, geht das mit dem Sprechen schon ganz gut.

Das folgende Interview ist die gekürzte Fassung eines Textes aus dem frisch erschienen SPIEGEL-ONLINE-Buch "Wer lacht, hat noch Reserven - Die schönsten Chef-Weisheiten".

SPIEGEL ONLINE: Herr Husmann, hatten Sie mal einen Stromberg als Chef?

Husmann: Nein, nie. Ich hatte immer großes Glück.

SPIEGEL ONLINE: Es gab also keinen Vorgesetzten, der Sie zu der Serie inspiriert hat?

Husmann: Nur einen fiktiven. Ich hatte mir für die Serie "Anke" mit Anke Engelke einen Redaktionsleiter ausgedacht. Der war als Chef... sagen wir mal: unkonventionell. Ich fragte mich seinerzeit: Wie würde das wohl aussehen, wenn dieser Mensch in einem normalen Büro arbeitet und nicht beim Fernsehen? Da lag die Idee nah, daraus ein Spin Off zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Warum wurde daraus nichts?

Husmann: Weil mir zunächst kein Sender das Format abgekauft hat. Das hat sich erst geändert, nachdem "The Office" Erfolg hatte.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie den Charakter Bernd Stromberg entwickelt?

Husmann: Am Reißbrett. Ich bin Geschichten durchgegangen, die mir Freunde erzählt haben, und habe diese mit meinen eigenen Beobachtungen abgeglichen. Mir war schnell klar, welche Eigenschaften der Charakter haben muss und welche Konflikte ihn umtreiben. Jedes Büro ist im Kern gleich. Egal, ob Sie in einer Werbeagentur arbeiten oder im Verteidigungsministerium - Sie finden überall dieselben Mechanismen.

SPIEGEL ONLINE: Selbstüberschätzung zum Beispiel.

Husmann: Ja, wobei Sie die nicht nur bei Chefs finden, sondern auch bei vielen normalen Angestellten. Die meisten Menschen würden doch zum Beispiel von sich behaupten, sie hätten Humor. Wenn man dann mit ihnen spricht, stellt man sehr schnell fest, dass das in vielen Fällen einfach nicht stimmt. Bei Chefs ist Selbstüberschätzung allerdings oft besonders ausgeprägt - weil die wenigsten Mitarbeiter sich trauen, ihre Vorgesetzten zu kritisieren.

Die schlimmsten Chef-Sprüche (6)

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

SPIEGEL ONLINE: Sie sind ja auch selbst Chef. Wie sehr fürchten sich Ihre Mitarbeiter vor Ihnen?

Husmann: Ich hoffe, dass sich ihre Furcht in Grenzen hält, und bemühe mich um einen offenen Dialog. Ich habe aber durchaus festgestellt, dass mir die Leute, nachdem ich Chef geworden war, deutlich weniger erzählt haben als vorher. Dass zum Beispiel unser Beleuchter nicht mehr mit der Kamerafrau zusammen war, habe ich als Letzter erfahren. In diesem Moment dachte ich mir: Du denkst, du gehörst noch dazu, aber das bildest du dir nur ein. Dieses Kommunikationsvakuum ist gefährlich. Du denkst, deine Angestellten finden dich spitze. Aber vielleicht halten sie dich auch für ein komplettes Arschloch.

SPIEGEL ONLINE: Tun das Ihre Angestellten?

Husmann: Ich hoffe nicht. Aber ich habe sicher nicht immer alles richtig gemacht. Im Medienbereich kommt man ja karrieremäßig schnell sehr weit. Plötzlich ist man Chef, ohne den Hauch einer Ahnung zu haben, was das bedeutet, ohne sich der Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst zu sein. Dann wird beim Fernsehen phasenweise so hart und intensiv gearbeitet, dass sehr schnell ein familiäres Gefühl entsteht. Im Überschwang macht man dann schon mal einen flapsigen Spruch, den man später bereut.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie denn so gesagt?

Husmann: Ich will es mal so ausdrücken: Ab und an habe ich als junger Chef Sachen gesagt, die mir vermutlich als sexuelle Belästigung hätten ausgelegt werden können. Heute würde ich so was nicht mehr tun.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. clone von "the office"
verinet 12.04.2012
Zitat von sysopobs/ TELE2Die TV-Figur "Stromberg" bündelt alle miesen Eigenschaften von Vorgesetzten, unter denen Millionen deutsche Angestellte leiden. Ralf Husmann ist der Haupt-Autor der Serie. Im Interview spricht er über die Psyche des Büro-Scheusals, über seine Erfahrungen mit Chefs - und eigene Führungsfehler. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,825226,00.html
"Wie haben Sie den Charakter Bernd Stromberg entwickelt?" richtige Antwort wäre gewesen "indem ich mich stark von der Hauptfigur der englischen Serie "the office" habe inspirieren lassen"
2. ....
jujo 12.04.2012
Zitat von sysopobs/ TELE2Die TV-Figur "Stromberg" bündelt alle miesen Eigenschaften von Vorgesetzten, unter denen Millionen deutsche Angestellte leiden. Ralf Husmann ist der Haupt-Autor der Serie. Im Interview spricht er über die Psyche des Büro-Scheusals, über seine Erfahrungen mit Chefs - und eigene Führungsfehler. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,825226,00.html
Meine berufliche Erfahrung als Untergebener und als Chef , sagt mir, das es nichts bringt nach oben sich auf ein kumpeliges "Du" einzulassen, wie es auch nicht klug ist als Chef Untergebenen das "Du" anzubieten. Man kann sich sehr gut verstehen und beim "Sie" bleiben. Damit sind Grenzen gesetzt die jeder beachtet und respektiert. Die meisten Kollegen, die auf "Kumpel" gemacht haben, haben es irgendwann bereut!
3. titel
mm71 12.04.2012
Zitat von verinet"Wie haben Sie den Charakter Bernd Stromberg entwickelt?" richtige Antwort wäre gewesen "indem ich mich stark von der Hauptfigur der englischen Serie "the office" habe inspirieren lassen"
Genau das musste ich auch spontan denken. Aber fremde Leistungen als eigene ausgeben ist ja wiederum eine absolute Stromberg-Spezialität.
4. Erfunden?? LOL
A.Stifter 12.04.2012
Ach ja also Ralf Husmann hat die Serie erfunden, ja? Dann fragen Sie ihn doch bitte einmal, warum er eigentlich von seinen Einnahmen aus Stromberg so viele Lizenzgebühren an Ricky Gervais, den Erfinder von "the office", abführt. Und warum er nach dem weitgehenden Abkupfern der ersten beiden Staffeln nach einer Klage von Gervais sich auf einen Vergleich eingelassen hat, nach dem er kräftig an Gervais zahlen musste.
5. Dummes Zeug
hauser kd 12.04.2012
Zitat von jujoMeine berufliche Erfahrung als Untergebener und als Chef , sagt mir, das es nichts bringt nach oben sich auf ein kumpeliges "Du" einzulassen, wie es auch nicht klug ist als Chef Untergebenen das "Du" anzubieten. Man kann sich sehr gut verstehen und beim "Sie" bleiben. Damit sind Grenzen gesetzt die jeder beachtet und respektiert. Die meisten Kollegen, die auf "Kumpel" gemacht haben, haben es irgendwann bereut!
ich habe Jahrzehnte in Firmen gearbeitet bei denen das "Du" normal war. Es gab nie Probleme und warum DU kumpelhaft sein soll, erschliesst sich mir nicht. In meiner jetzigen Fa., bin inzwischen AG, gilt auch nur das DU. Ausnahme eine aeltere Dame die die Buchhaltung macht,sie wunschte das SIE. Dem Wunsch wurde entsprochen. Ich glaube sie bereut es heute, da sie damit einfach nicht im Team ist. Das "DU" ist einfach praktischer und wer damit ein Autoritaetsproblem hat, hat es auch mit dem "SIE". Ich hab es jedenfalls nicht, manche meiner Mitarbeiter schon etwasm gut sie sagen dann einfach; Chef, kannst du. Ist auch ok.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Chefsprüche
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Zur Person
  • www.flashfotos.de
    Ralf Husmann ist Produzent, Drechbuch- und Buchautor. Sein bekanntestes Werk ist "Stromberg", die TV-Serie um einen schrecklichen Chef: Bernd Stromberg, unter anderem Ressortleiter der Schadensregulierung M bis Z bei einer ganz normalen deutschen Versicherung. Der Produzent hat ein Faible für Antihelden. Diese bevölkern auch seine anderen Serien, zuletzt "Dr. Psycho". Manche Kritiker nennen Husmann deshalb den "Meister des Erbärmlichen".
Buchtipp

Fotostrecke
Serie "Stromberg": Der Macker, seine Macken, seine Opfer
Verwandte Themen


Fotostrecke
Chef-Typologie: Superstars, kreative Chaoten, Nichtskönner

Twitter @chefsprueche
Fotostrecke
Must-have!: Fünf Spielzeuge für Chef-Chefs
Social Networks